Anlässlich seiner 39. Ausgabe präsentiert das Bolzano Film Festival Bozen (BFFB) eine Auswahl bedeutender und kreativer Werke des internationalen Kinos und lädt Gäste aus der Filmszene nach Bozen ein. Als mehrsprachiges Festival in einer Grenzregion widmet das BFFB dem Geschehen jenseits der Grenzen besondere Aufmerksamkeit und behält gleichzeitig die lokale Filmproduktion im Blick. Im Mittelpunkt des Programms steht oft die Geschichte von Minderheiten, seien sie sprachlicher, politischer oder sozialer Natur. In diesem Jahr verlagert sich das Festival auch über das Zentrum von Bozen hinaus und eröffnet einen zweiten Veranstaltungsort für die Filmvorführungen: das Teatro Cristallo im Stadtteil Europa-Neustift. Ein wichtiger Schritt, der sich mit der Topografie der Stadt auseinandersetzt und sich inklusiv für die verschiedenen Zielgruppen der Stadt öffnet.
Das 39. BFFB beginnt offiziell am 10. April 2026 mit der italienischen Premiere des Dokumentarfilms ELON MUSK UNVEILED – The Tesla Experiment des Südtiroler Regisseurs Andreas Pichler. Der Film, der beim International Documentary Film Festival Amsterdam (IDFA) seine Weltpremiere feierte, geht von einem tödlichen Unfall in Florida aus, an dem ein Tesla mit aktiviertem Autopiloten beteiligt war und der dazu führte, dass ein Gericht eine Mitschuld des Unternehmens feststellte. Ausgehend von diesem Vorfall entwickelt Pichler eine Untersuchung, die sich auf interne Dokumente, durchgesickertes Material und Aussagen ehemaliger Mitarbeiter, Journalisten und Experten stützt. Der Film rekonstruiert den Kontext, in dem Elon Musk seit 2014 der Öffentlichkeit das Versprechen des autonomen Fahrens präsentiert, und zeigt gleichzeitig die kritischen Aspekte einer Technologie, die sich noch in der Entwicklung befindet. Aufnahmen von Dashcams und Überwachungskameras dokumentieren Risikosituationen und Unfälle, während die Stimmen der Protagonisten interne Dynamiken, Unternehmensdruck und Sicherheitsfragen zutage fördern. Das Ergebnis ist das Porträt eines komplexen Systems, in dem technologische Innovation, die Gestaltung des öffentlichen Images und Marktlogiken miteinander verflochten sind.
Den Abschluss des Festivals bildet BECAÀRIA (2026) von Erik Bernasconi, der hier seine internationale Premiere feiert. Der Film spielt im Jahr 1977 und handelt von Mario, einem 16-jährigen Tessiner, der, nachdem er das Schuljahr nicht bestanden hat, von seinem Vater geschickt wird, um den Sommer über als Bergbauer zu arbeiten. Im Umgang mit der Arbeit in den Bergen, mit neuen Bekanntschaften und ersten Liebeserfahrungen setzt sich der Junge mit sich selbst und den Erwartungen anderer auseinander.
Der Film basiert auf dem Roman Il becaària (2011) des Tessiner Schriftstellers Giorgio Genetelli. Der Begriff „becaària“ bezeichnet im lokalen Dialekt jemanden, der als Faulenzer oder als Stadtjunge gilt, der in die Berge geschickt wurde. Im Laufe der Geschichte wird diese Definition jedoch durch den Werdegang des Protagonisten zunehmend in Frage gestellt.









