April 10 - 19, 2026
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BFFB 39 | DAS KOMPLETTE PROGRAMM

Das Programm des 39. BOLZANO FILM FESTIVAL BOZEN, das vom 10. bis 19. April 2026 stattfinden wird, wurde heute bei einer Pressekonferenz vorgestellt.

Anlässlich seiner 39. Ausgabe präsentiert das Bolzano Film Festival Bozen (BFFB) eine Auswahl bedeutender und kreativer Werke des internationalen Kinos und lädt Gäste aus der Filmszene nach Bozen ein. Als mehrsprachiges Festival in einer Grenzregion widmet das BFFB dem Geschehen jenseits der Grenzen besondere Aufmerksamkeit und behält gleichzeitig die lokale Filmproduktion im Blick. Im Mittelpunkt des Programms steht oft die Geschichte von Minderheiten, seien sie sprachlicher, politischer oder sozialer Natur. In diesem Jahr verlagert sich das Festival auch über das Zentrum von Bozen hinaus und eröffnet einen zweiten Veranstaltungsort für die Filmvorführungen: das Teatro Cristallo im Stadtteil Europa-Neustift. Ein wichtiger Schritt, der sich mit der Topografie der Stadt auseinandersetzt und sich inklusiv für die verschiedenen Zielgruppen der Stadt öffnet.

Das 39. BFFB beginnt offiziell am 10. April 2026 mit der italienischen Premiere des Dokumentarfilms ELON MUSK UNVEILED – The Tesla Experiment des Südtiroler Regisseurs Andreas Pichler. Der Film, der beim International Documentary Film Festival Amsterdam (IDFA) seine Weltpremiere feierte, geht von einem tödlichen Unfall in Florida aus, an dem ein Tesla mit aktiviertem Autopiloten beteiligt war und der dazu führte, dass ein Gericht eine Mitschuld des Unternehmens feststellte. Ausgehend von diesem Vorfall entwickelt Pichler eine Untersuchung, die sich auf interne Dokumente, durchgesickertes Material und Aussagen ehemaliger Mitarbeiter, Journalisten und Experten stützt. Der Film rekonstruiert den Kontext, in dem Elon Musk seit 2014 der Öffentlichkeit das Versprechen des autonomen Fahrens präsentiert, und zeigt gleichzeitig die kritischen Aspekte einer Technologie, die sich noch in der Entwicklung befindet. Aufnahmen von Dashcams und Überwachungskameras dokumentieren Risikosituationen und Unfälle, während die Stimmen der Protagonisten interne Dynamiken, Unternehmensdruck und Sicherheitsfragen zutage fördern. Das Ergebnis ist das Porträt eines komplexen Systems, in dem technologische Innovation, die Gestaltung des öffentlichen Images und Marktlogiken miteinander verflochten sind.

Den Abschluss des Festivals bildet BECAÀRIA (2026) von Erik Bernasconi, der hier seine internationale Premiere feiert. Der Film spielt im Jahr 1977 und handelt von Mario, einem 16-jährigen Tessiner, der, nachdem er das Schuljahr nicht bestanden hat, von seinem Vater geschickt wird, um den Sommer über als Bergbauer zu arbeiten. Im Umgang mit der Arbeit in den Bergen, mit neuen Bekanntschaften und ersten Liebeserfahrungen setzt sich der Junge mit sich selbst und den Erwartungen anderer auseinander.
Der Film basiert auf dem Roman Il becaària (2011) des Tessiner Schriftstellers Giorgio Genetelli. Der Begriff „becaària“ bezeichnet im lokalen Dialekt jemanden, der als Faulenzer oder als Stadtjunge gilt, der in die Berge geschickt wurde. Im Laufe der Geschichte wird diese Definition jedoch durch den Werdegang des Protagonisten zunehmend in Frage gestellt.

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Ehrenpreis für eine herausragende Filmkarriere

Das Bolzano Film Festival Bozen verleiht in seiner 39. Ausgabe, in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsamt der Stadt Bozen, den Ehrenpreis für eine herausragende Filmkarriere an Ottavia Piccolo und Ulrike Ottinger. Die Ehrenpreise des 39. BOLZANO FILM FESTIVAL BOZEN werden in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsamt der Stadt Bozen verliehen. 

Ottavia Piccolo
Wir bewundern Ottavia Piccolo zutiefst. Sie ist nach wie vor Teil der Geschichte des italienischen und europäischen Kinos, Fernsehens und Theaters. Seit Beginn ihrer Karriere im Alter von elf Jahren hat sie einen bleibenden Eindruck auf alle hinterlassen, die ihre Auftritte erlebt haben. Es ist schwierig, die vielen Regisseur:innen und Autor:innen, mit denen sie in mehr als sechzig Jahren Tätigkeit zusammengearbeitet hat, aufzulisten. Einige Namen: für das Theater Squarzina, Strehler und Ronconi, für das Kino Visconti, Bolognini, Sautet. Im Fernsehen spielte sie Rollen in Serien, die auf großen Klassikern der Literatur basieren und ihre ohnehin schon beachtliche Popularität weiter steigerten. In Bozen präsentieren wir einen für ihre Karriere besonders wichtigen Film: Metello von Mauro Bolognini, für den sie 1970 beim Filmfestival in Cannes den Preis als beste Darstellerin erhielt. Außerdem zeigen wir 7 minuti von Michele Placido aus dem Jahr 2016. Ottavias Tätigkeit geht unermüdlich weiter, vor allem auf der Bühne. Beeindruckend ist aber auch ihr zivilgesellschaftliches Engagement und ihre aktive Präsenz in der Welt: Sie ist eine kritische Stimme. Sie tröstet uns in diesen oft dunklen und schmerzhaften Jahren. Danke, Ottavia!“ - Vincenzo Bugno

Ulrike Ottinger
Ulrike Ottinger überrascht uns immer wieder aufs Neue. Ihr künstlerischer Werdegang ist von unschätzbarem Reichtum und führt durch die Geschichte des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Sie zieht von Deutschland nach Paris, wo sie die entscheidenden Jahre zwischen Anfang und Ende der 60er Jahre verbringt. Dann zieht sie nach West-Berlin und setzt eine nicht in eine Schublade zu steckende Karriere fort. Als Galeristin, Fotografin, Bühnenbildnerin, Theater-, Opern-, Dokumentar-, Hybrid- und Spielfilmregisseurin hat sie ein avantgardistisch Gesamtkunstwerk geschaffen, das insgesamt als vielseitig queer durch alle Bereiche zu bezeichnen ist. In ihrem letzten Film bietet sie uns eine unterhaltsame (und lustige) Vampirgeschichte. Ihre jahrzehntelange Forschung ist nicht nur originell, sondern auch rigoros. Ihre Arbeit als Dokumentarfilmerin führt uns weit über die Grenzen des Westens hinaus und bringt Dinge näher, die weit über unser selbstverständliches Wissen hinausgehen. Deutschland, Berlin, die Wiedervereinigung. Sicher. Aber auch – oder vielleicht sogar vor allem – Asien. China, Japan, die Mongolei. Afrika. Ulrike Ottinger, eine Schamanin? „Das Kino ist für mich ein animistisches Medium“, sagt sie oft. In Bozen präsentieren wir zwei Filme von Ulrike Ottinger: Paris Calligrammes aus dem Jahr 2019, der die für die Ausbildung der Regisseurin grundlegenden Jahre in Frankreich nachzeichnet, und Johanna D’Arc of Mongolia (1989).“ - Vincenzo Bugno

Wettbewerb BFFB39

Der Wettbewerb BFFB39 steht Spielfilmen, Dokumentarfilmen und hybriden Filmen offen. Allem, was heute unter Filmemachen zu verstehen ist: Werke, die sich nicht in eine Schublade stecken lassen wollen. Die zwölf eingeladenen Filme – zehn davon Italienpremieren – sind Produktionen und Koproduktionen aus Ländern des Alpenraums. Die Filmproduktionen unserer Zeit sind ein mobiles Universum. Sie zeugen von der Notwendigkeit und Neugier, sich mit dem gesamten Planeten auseinanderzusetzen, sowie von dem nicht widersprüchlichen Bedürfnis, vertrautere Gebiete zu erforschen. Jedes dieser unterschiedlichen Werke hat ein starkes, einzigartiges künstlerisches Profil. Ob sie von einem Wiener Musiker, von Familien in Galicien oder Portugal, von einem Wohnhaus in Kairo, von der Antarktis oder anderen (fast) unbekannten Gegenden erzählen, spielt dabei keine Rolle. Sie werden Sie nicht gleichgültig lassen.” - Vincenzo Bugno 

 

RealeNonReale

“Im Programm des BFFB finden alle Formen des Dokumentarfilms breiten Raum. Im Rahmen unseres Festivals gibt es keine Hierarchien, die klassifizieren, was als echtes Kino angesehen werden kann. Alles ist Kino. Im Wettbewerb BFFB finden Fiktion, Dokumentarfilm und all jene formalen Wege Platz, die letztendlich nicht definiert werden müssen oder sollten. Mit der Sektion RealeNonReale (Real und nicht real) möchten wir die Vielfalt der Dokumentarfilmformen sowie die enorme Vielfalt an Inhalten, Sprachen und formalen Identitäten noch stärker hervorheben. Fünf sehr unterschiedliche Stimmen, fünf originelle Werke, die uns besonders beeindruckt haben, stammen aus Produktionen und Koproduktionen, an denen Länder des Alpenraums beteiligt sind, auch wenn die Themen, Orte und Regisseur:innen sehr unterschiedlicher Herkunft sind. In der Auswahl finden sich daher eine österreichische Produktion einer polnischen Regisseurin (Magdalena Chmielewska), ein intensives Tagebuch über die Beziehung zu ihrer Mutter, sowie eine Schweizer Produktion (von Gregor Brändli) über die koloniale Vergangenheit eines Landes, das nie Kolonien hatte: die Schweiz. Drei weitere Produktionen stammen aus Deutschland: das autobiografische und dekolonialisierende Werk einer in Berlin lebenden angloamerikanischen Regisseurin (Cynthia Beatt) über ihre Beziehung zu den Fidschi-Inseln, unter Mitwirkung von Tilda Swinton; der Film einer in Deutschland lebenden ukrainischen Regisseurin (Yulia Lokshina) über die jüngste Auswanderungswelle nach Paraguay, hauptsächlich von deutschsprachigen Europäern, die vor einem Kontinent fliehen, der ihnen nicht die von ihnen gewünschte Freiheit zu garantieren scheint, sowie den autobiografischen Film einer deutsch-brasilianischen Regisseurin (Daniela Magnani-Hüller), die vor vierzehn Jahren einen versuchten Femizids überlebte.” - Vincenzo Bugno
 

BFFB Special

Fünf Werke, die uns durch ihre Erzählstruktur, ihren Inhalt, ihren historischen Bezug, ihre emotionale Intensität und ihre kreative Kraft tief berührt haben. 

Cristallo Tage

Im Jahr 2026 weitet das Bolzano Film Festival Bozen (BFFB) seine Präsenz im Stadtgebiet aus und eröffnet einen neuen Veranstaltungsort im Teatro Cristallo, wo drei Filmvorführungen stattfinden werden.

Die Entscheidung für das Teatro Cristallo ist Teil der Strategie des Festivals, neue Orte der Stadt einzubeziehen und Kultur im Dialog mit der Topografie Bozens zu denken. Das Teatro Cristallo ist seit Jahrzehnten eine wichtige kulturelle Institution der Stadt und ein zentraler Treffpunkt für die Bevölkerung. Dass das Haus zugleich als Kinosaal mit mehr als 400 Plätzen dient, macht es zu einem idealen Festivalspielort“, sagt Vincenzo Bugno, Künstlerischer Leiter des BFFB.

Das Programm im Teatro Cristallo beginnt mit drei italienischen Filmen. Der erste ist La ragazza con la valigia (1961) von Valerio Zurlini, der am 15. April um 18:00 Uhr in Zusammenarbeit mit dem Museo Nazionale del Cinema in Turin gezeigt wird und der 2025 verstorbenen Schauspielerin Claudia Cardinale gewidmet ist; die Vorführung wird von Direktor Carlo Chatrian eingeleitet. Anschließend folgt Un anno di scuola (2025) von Laura Samani, frei nach dem gleichnamigen Kurzroman von Giani Stuparich aus dem Jahr 1929 und angesiedelt im Triest der 2000er Jahre, in Anwesenheit der Drehbuchautorin Elisa Dondi und der Schauspieler Pietro Giustolisi und Samuel Volturno. Am 18. April um 16:30 Uhr steht Gioia mia (2025) von Margherita Spampinato auf dem Programm, gezeigt im Rahmen der Sektion LiLi – Little Lights, die Kindern, Jugendlichen und Familien gewidmet ist und zum ersten Mal im Wochenendprogramm vertreten ist.

Wir freuen uns sehr und sind stolz darauf, das Bolzano Film Festival Bozen im Teatro Cristallo begrüßen zu dürfen. Diese Zusammenarbeit ist für uns eine wichtige Anerkennung und zugleich eine wertvolle Gelegenheit, den Dialog zwischen unserem Theater und der Stadt zu stärken und uns neuen Zielgruppen und Ausdrucksformen zu öffnen. Die Rückkehr des Kinos ins Cristallo ist Teil einer umfassenderen Vision von Zugänglichkeit und Teilhabe, in der kulturelle Einrichtungen zusammenarbeiten, um gemeinsame Gelegenheiten für Wachstum und Begegnung zu schaffen.» erklärt Gaia Carroli, Direktorin des Teatro Cristallo.

Das Teatro Cristallo entstand im Stadtteil Europa-Neustift in Bozen, der sich ab den 1930er Jahren im Zuge der städtebaulichen und industriellen Expansion der Stadt entwickelte. Es wurde 1954 als Kino-Theater und provisorischer Veranstaltungsort für die Pfarrei Regina Pacis eröffnet und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem wichtigen kulturellen und sozialen Bezugspunkt. Nach der Schließung im Jahr 1973 wurde es dank des Engagements der lokalen Gemeinschaft saniert und 2005 wiedereröffnet, wodurch es erneut zu einem aktiven Kulturzentrum mit einem Programm wurde, das Theater, Kino, Musik und Begegnungen umfasst.

Hommage – Claudia Cardinale

Claudia Cardinale (1938–2025) war eine der bedeutendsten italienischen Schauspielerinnen und eine Ikone des europäischen Kinos der 1960er Jahre. Bekannt durch Spiel mir das Lied vom Tod und , spielte sie in über 175 internationalen Filmen mit und war UNESCO-Botschafterin.

Die Vorführung von La ragazza con la valigia (1961) von Valerio Zurlini, die in Zusammenarbeit mit dem Museo Nazionale del Cinema in Turin realisiert wurde, markiert die offizielle Eröffnung des neuen Sitzes des BFFB im Teatro Cristallo und ist ihrem Andenken gewidmet. Der Film erzählt die Geschichte der jungen Aida, die von ihrem Liebhaber verlassen wurde und Zuflucht bei dessen sechzehnjährigem Bruder Lorenzo findet. Zwischen den beiden entsteht eine zarte, von Mitgefühl geprägte Beziehung, die jedoch auf den Widerstand der Familie stößt.

Als eine der beliebtesten Schauspielerinnen des italienischen und internationalen Kinos hat Claudia Cardinale Figuren zum Leben erweckt, die Generationen von Zuschauern verzaubert haben“ betont Carlo Chatrian, Direktor des Museo Nazionale del Cinema. „Die Schauspielerin, die sich sowohl im Autorenfilm als auch im Genrefilm zu Hause fühlte, war eine Ikone der Eleganz und Schönheit. Ausgestattet mit einer großen Bühnenpräsenz, gepaart mit jener Unbekümmertheit, die sie stets auszeichnete, wollte das Museo Nazionale del Cinema in Turin anlässlich ihres kürzlichen Ablebens mit einigen Aufnahmen von Angelo Frontoni an sie erinnern, dem Fotografen der Diven, der es verstand, jene natürliche Empathie wiederzugeben, die die Schauspielerin zu wecken vermochte.

BFFB LIVE SCORE

Das Trio bestehend aus Marco Colonna, Esmeralda Sella und Francesco Cigana präsentiert eine originelle Live-Vertonung des Stummfilms ’A Santanotte (Italien, 1922) der Kino-Pionierin Elvira Notari. Das Projekt wurde speziell für diesen Anlass entwickelt: eine offene, ortsspezifische Partitur, die mit den Bildern des Films und der Tradition des Filmkonzerts in Dialog tritt.

Local Heroes

Junge Talente treffen auf etablierte Namen, dokumentarische Arbeiten auf fiktionale Stoffe, klassische Erzählweisen auf experimentelle Formen, Kurz- auf Mittellang- und Langfilm: Die Sektion Local Heroes zeigt ein formenreiches Panorama filmischer Handschriften aus der Euregio (Tirol, Südtirol und dem Trentino) und spricht die Einladung aus, unterschiedliche und ungewohnte Perspektiven einzunehmen. Die ausgewählten Filme sind immer eine Herzensangelegenheit und ein Publikums-Höhepunkt beim Festival. Und: ein idealer Treffpunkt, um mit den lokalen Filmschaffenden ins Gespräch zu kommen. 
 

Kleinsprachen DOC

Kleinsprachen DOC, organisiert in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Bozen und dem Verein La Fournaise, ist die Sektion, die das BFFB dem Thema der sprachlichen Minderheiten widmet; sie nimmt Werke verschiedener Genres - von dokumentarischen Formen bis hin zur Fiktion sowie andere Mischformen - jeglicher Dauer und Herkunft auf. Mit Kleinsprachen DOC wollen wir eine Brücke zwischen der Südtiroler Mehrsprachigkeit und den zahlreichen Kontexten schlagen, in denen heutzutage andere Sprachen als die der Mehrheitsgesellschaft verwendet werden. Herausgegeben von Silvia Dal Negro, Daniele Ietri, Eleonora Mastropietro und Daniela Veronesi. 

 

Focus – Katalonien

Jedes Jahr widmet das BFFB einer Region, die in gewisser Weise der Identität Südtirols nahekommt, einen wichtigen Platz. Grenzregionen oder -welten mit vielfältiger Identität und/oder komplexer, nicht konflikt- freier Geschichte. Oder einfach Orte, an denen die komplexe Identität eine Quelle großer kultureller Bereicherung ist. In diesem Jahr widmen wir uns einer Region, die all dies verkörpert: Katalonien. Ein Gebiet mit einer starken Identität, einer von Millionen Menschen gesprochenen Sprache, einer starken Wirtschaft und einer bemerkenswerten kulturellen Produktion. Dem katalanischen Kino einen Raum zu widmen, bedeutet, sich auf eine der dynamischsten Regionen der europäischen Filmindustrie zu konzentrieren, was die Produktion und die internationalen Strategien betrifft. In diesem Jahr möchten wir auch einen besonderen Aspekt des katalanischen Kinos hervorheben: die oft hybride Dokumentarfilmproduktion, die auch dank der Ausbildungsaktivitäten zahlreicher Institutionen gewachsen ist. Wir präsentieren sieben Werke – und verschiedene Gäste –, die unserer Meinung nach das Universum des Dokumentarfilms, das wir hervorheben möchten, am besten repräsentieren (Werke von Andrés Duque, Virginia García del Pino, José Luis Guerin und Neus Ballús) und weitere Spielfilme von international noch etablierteren Regisseur:innen (wie Carla Simón) und/oder solche, die auch Ergebnis des Engagements katalanischer Institutionen für Autor:innen aus anderen Ländern sind (wie Lav Diaz). Begleitet werden wir auch von Marta Andreu, einer katalanischen Kosmopolitin, Schamanin und Philosophin des Dokumentarfilms, die eine Performance darbieten wird. 

Kuratiert von Vincenzo Bugno mit der Unterstützung von Isona Admetlla Font und Ricardo Apilánez

 

LiLi – Little Lights

LiLi – Little Lights ist die Sektion des Bolzano Film Festival Bozen - BFFB, die sich Filmen für Kinder und Jugendliche widmet. Offen für Spielfilme, dokumentarische Formen und Animationen lädt LiLi junge Zuschauer:innen dazu ein, in vielfältige Lebenswelten einzutauchen und bietet zugleich auch Erwachsenen ein Zuhause. Wir beim Bolzano Film Festival Bozen sind überzeugt, dass es von grundlegender Bedeutung ist, in die Filmbildung zukünftiger Generationen zu investieren. Sie ist eine kontinuierliche Quelle der Unterhaltung für junge Menschen, fördert die Entwicklung kritischer Persönlichkeiten mit einem wachen Blick für die soziale und kulturelle Realität und zählt zu den wirksamsten Wegen, ein neues audiovisuelles Publikum aufzubauen. 
Bei der 39. Ausgabe des BFFB werden die LiLi-Filme erstmals am Wochenende gezeigt. Die Filmvorführungen finden sowohl im Kino Capitol als auch im Teatro Cristallo statt. Zudem gilt ein ermäßigter Eintrittspreis für Groß und Klein. 
LiLi - Little Lights ist ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Berlinale GENERATION und dem Jugenddienst Bozen. 

 

  • Gioia mia (Sweetheart) von Margherita Spampinato (ITA 2025, 93’) 

  • Sciatunostro (Ebb and Flow) von Leandro Picarella (ITA 2025, 87’) 

  • Zirkuskind von Anna Koch, Julia Lemke (DEU 2025, 86’) – Italienpremiere

BFFB Extras

Lovesong, a non-existent film in progress 

Performance di Marta Andreu 

„Bilder zeigen den Versuch eines filmischen Porträts der katalanischen Dichterin Lala Blay, das ich vor 20 Jahren unvollendet gelassen habe.Sie liest ihre Gedichte im Garten ihres Elternhauses, denkt nach, wartet, verzweifelt manchmal, lacht und spaziert durch den Wald ... Wir sehen verschiedene Ecken des Gartens, Bäume, Katzen, viele Katzen, Berge, Schatten und Geister. Es gibt auch andere Bilder, zu denen die Bilder, die ich einst gedreht habe, eine Affinität haben: Fragmente von Filmen, Büchern und Dichtern, Malern, Gemälden ... die mich immer noch verfolgen. Es gibt auch Musik und es gibt Verlust ... und sogar eine Art Magie. Während die Bilder aufeinander folgen, sitze ich vor dem Bildschirm und lese meinen Text. Ein Monolog ... oder ist es ein Dialog? Mit den Bildern? Mit der Poesie? Mit dem Publikum? Ich erzähle, warum ich Lala filmen wollte, und spekuliere, warum ich es nicht geschafft habe. Was bedeutet es, Bilder zu machen? Was wäre, wenn das Erstellen von Bildern nichts anderes wäre, als sie als einen Ort der Zuneigung und Zugehörigkeit anzuerkennen? Einen Ort, den wir als Zuhause bezeichnen könnten? Und was wäre, wenn diese Verbindung zerbrochen wäre? Dieser Lovesong ist ein Versuch, zu den Bildern zurück-zukehren, die man einst geliebt hat und zu denen man gehörte. Es ist ein Essay, um die verlorene Stimme wiederzufinden, und eine Reflexion über die Möglichkeit, wieder etwas zu schaffen. Es ist ein Film, der nur existieren kann, wenn ich ihn erzähle.“ - Marta Andreu

BFFB Industry Days

Das Bolzano Film Festival Bozen – BFFB, das nun bereits im vierten Jahr unter der künstlerischen Leitung von Vincenzo Bugno stattfindet, etabliert sich zunehmend als Ideenschmiede mit einem immer vielfältigeren Angebot für die Filmbranche. Diese Entwicklung ist eng mit der Zusammenarbeit mit und zwischen den verschiedenen Institutionen verbunden, die Südtirol als Ort der Kultur und des audiovisuellen Schaffens prägen, darunter die IDM Film & Music Commission, die Filmschule ZeLIG, die Film Association Südtirol (FAS) und der HDS Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol.

„Südtirol hat eine Leidenschaft für das Kino. Dabei geht es nicht nur um das Interesse eines aufmerksamen Publikums. Oder um die Lebendigkeit und Professionalität derjenigen, die hier Filme schaffen. Leidenschaft bedeutet hier Wachstum der Film- und audiovisuellen Industrie, Zusammenarbeit auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene sowie wirtschaftliche und politisch-kulturelle Chancen. Zweifellos versteht sich das BFFB als einer der Akteure des Filmstandort Südtirols", ist sich seines Potenzials bewusst und will sich aktiv für dessen Entwicklung einsetzen.“ – Vincenzo Bugno

Das diesjährige Industry-Programm vereint unterschiedliche Formate, die ineinandergreifen und gemeinsam ein lebendiges Bild der regionalen und internationalen Filmlandschaft zeichnen: Mit MASO wird ein internationales Trainings- und Förderprogramm für Kurzfilmprojekte präsentiert, während NEDC gezielt die Entwicklung von Dokumentarfilmen in Norditalien unterstützt. Scriptum rückt die Arbeit von Drehbuchautor:innen in den Fokus und macht kreative Prozesse öffentlich erlebbar. Die verstärkte Zusammenarbeit mit der Filmschule ZeLIG bringt nicht nur neue Impulse in den Festivalbetrieb, sondern stärkt auch die Verbindung zwischen Ausbildung und Praxis. Ergänzt wird das Programm durch das Female Speed Meeting als Plattform für Austausch und Sichtbarkeit sowie durch den Talk zum Filmstandort Südtirol, der aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven der Branche reflektiert.

Internationale Jury BFFB 39

Andrea Bernard, Regisseur und Architekt aus Bozen, ist in Oper, Theater, künstlerischen Veranstaltungen und musealen Inszenierungen tätig. Er arbeitet mit zahlreichen Theatern und Festivals in Italien und Europa zusammen und entwickelt Produktionen, die Tradition und Innovation verbinden. 2024 wurde er mit dem Abbiati-Preis der italienischen Musikkritik als bester Regisseur ausgezeichnet. 

Susanne Burg ist Filmredakteurin beim Deutschlandfunk / Deutschlandfunk Kultur. Sie moderiert die wöchentliche Filmsendung Vollbild und berichtet über neue Filme, die großen Festivals der Welt und Neuigkeiten aus der Filmwelt. 

Roberto Farneti ist assoziierter Professor für Politikwissenschaft an der Fakultät für Wirtschaft und Management der Freien Universität Bozen- Bolzano. Er war Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung an der J.W. Goethe-Universität (Frankfurt a.M.). Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Spannungsfeld von Gesellschaft, Kunst und Film. Er ist Autor des Buches L’occhio della madre. A cosa serve l’arte contemporanea (Castelvecchi, 2024). 

Anna Ladinig ist eine österreichische Kuratorin und Kulturarbeiterin. Sie studierte Slawistik an der Universität Innsbruck und beschäftigt sich in ihrer Dissertation mit dem sowjetischzentralasiatischen Kino. Seit 2019 leitet sie das IFFI – Internationales Film Festival Innsbruck. Außerdem fungiert sie als Co-Leiterin des Film Campus Innsbruck, engagiert sich im FÖFF – Forum österreichischer Filmfestivals und vertritt dieses im Kulturrat Österreich. 

Frédéric Maire, geboren 1961, ist seit 1979 als Regisseur und Journalist für verschiedene Zeitungen und Radiosender im Filmbereich tätig. 1992 gründete und leitete er, gemeinsam mit drei Kollegen, den Kinderfilmklub Die Zauberlaterne (www.zauberlaterne.org). Seit 1986 arbeitet er mit dem Festival von Locarno zusammen. 2005 wurde er dessen künstlerischer Leiter. Von 2009 bis 2025 leitete er die Cinémathèque Suisse, und von 2017 bis 2023 war er Präsident der FIAF (Internationale Föderation der Filmarchive).