Mit diesen Auszeichnungen würdigt das Festival zwei Künstlerinnen, die über Jahrzehnte hinweg prägende Beiträge zum europäischen Kino und Theater geleistet haben, jede auf ihre eigene Weise, beide mit großer Konsequenz und künstlerischer Eigenständigkeit.
„In diesem Jahr ehren wir zwei Künstlerinnen, die sehr unterschiedlich sind, aber sicher eine Gemeinsamkeit haben: Sie sind sich selbst treu geblieben, konsequent, und sie vertreten Offenheit und humanistische Werte, die heute leider allzu oft infrage gestellt werden.
Mit der Ehrung von Ottavia Piccolo würdigen wir eine außergewöhnliche Schauspielerin, deren Bühnen- und Filmarbeit seit Jahrzehnten Maßstäbe setzt. Ihre unverwechselbare Präsenz, ihr feines Gespür für gesellschaftliche Themen und ihr kraftvolles Engagement für künstlerische und demokratische Werte machen sie zu einer Stimme, die weit über die Grenzen von Bühne und Leinwand hinaus wirkt. Ottavia Piccolo ist eine Künstlerin, die berührt, bewegt und inspiriert – und wir sind stolz, ihr Schaffen in diesem Rahmen zu feiern.
Ulrike Ottinger steht wie kaum eine andere für den Mut, die eigene künstlerische Vision rigoros zu verfolgen. Ihre Filme, ihre gesamten Werke, laden uns ein, die Welt mit offenen Augen und einem faszinierten, ketzerischen Geist neu zu betrachten. Diese Ehrung würdigt nicht nur ein außergewöhnliches Lebenswerk, sondern auch eine Haltung, die uns inspiriert.“ erklärt Vincenzo Bugno, künstlerischer Leiter des BFFB.
Ulrike Ottinger – Filmemacherin, Bildende Künstlerin und Reisende zwischen den Kulturen
Ulrike Ottinger wuchs in Konstanz auf und lebte von 1962 bis 1969 in Paris, wo sie als bildende Künstlerin arbeitete, im Atelier von Johnny Friedlaender ausgebildet wurde und Vorlesungen am Collège de France besuchte. Zurück in Deutschland gründete sie in Konstanz 1969 den „filmclub visuell“ und wandte sich Anfang der 1970er Jahre dem Film zu.
Mit Madame X – Eine absolute Herrscherin (1977), Freak Orlando (1981) und Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse (1984) entwickelte sie eine eigenständige filmische Handschrift. Neben ihren Spielfilmen entstanden zahlreiche Dokumentarfilme, darunter China. Die Künste – Der Alltag (1985), Johanna d’Arc of Mongolia (1989), Chamissos Schatten (2016) und der Essayfilm Paris Calligrammes (2020).
Ihr jüngster Film Die Blutgräfin feierte 2026 bei den Internationale Filmfestspiele Berlin seine Weltpremiere. Retrospektiven und Ausstellungen würdigten ihr Werk unter anderem im Museum of Modern Art und im Centre Pompidou. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Berlinale Kamera (2020) und den Deutschen Dokumentarfilmpreis Ehrenpreis für ihr Lebenswerk (2024).
Beim 39. BOLZANO FILM FESTIVAL BOZEN werden Paris Calligrammes und Johanna d’Arc of Mongolia gezeigt.
Ottavia Piccolo – Schauspielerin zwischen Theater, Kino und gesellschaftspolitischem Engagement
Ottavia Piccolo ist Schauspielerin für Theater, Film und Fernsehen. Ihr Bühnendebüt gab sie im Alter von elf Jahren in Anna dei miracoli unter der Regie von Luigi Squarzina an der Seite von Anna Proclemer. In der Folge arbeitete sie mit bedeutenden Regisseuren wie Luchino Visconti, Giorgio Strehler und Luca Ronconi.
Für das Kino wurde sie von Visconti engagiert und war in Il Gattopardo zu sehen. Internationale Anerkennung erlangte sie 1970 mit Metello von Mauro Bolognini, für den sie bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet wurde. Im Laufe ihrer Filmkarriere arbeitete sie unter anderem mit Claude Sautet, Pierre Granier-Deferre, Pietro Germi, Ettore Scola und Luigi Magni.
Auch im Fernsehen war Ottavia Piccolo in populären Produktionen in Italien und Frankreich präsent. Parallel dazu blieb sie kontinuierlich dem Theater verbunden. In den vergangenen zwanzig Jahren entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit dem Dramatiker und Regisseur Stefano Massini. Gemeinsam entstanden unter anderem die Produktionen Donna non rieducabile, Processo a Dio, 7 minuti, Enigma, Occident Express, Cosa nostra spiegata ai bambini sowie Matteotti (anatomia di un fascismo) mit dem Orchestra Multietnica di Arezzo.
Im Rahmen des Festivals werden die Fllme Metello von Mauro Bolognini und 7 minuti von Michele Placido gezeigt.
Die Ehrenpreise des 39. BOLZANO FILM FESTIVAL BOZEN werden während des Festivals im April 2026 in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsamt der Stadt Bozen verliehen.










