April 10 - 19, 2026

Focus BFFB 39 | Katalonien

Auch in seiner 39. Ausgabe setzt das BOLZANO FILM FESTIVAL BOZEN einen geografischen Schwerpunkt und widmet eine Sektion dem zeitgenössischen Kino Kataloniens, einer der dynamischsten Regionen der europäischen Filmproduktion.

Die Sektion Focus Katalonien wird von Vincenzo Bugno mit der Unterstützung Isona Admetlla Font und Ricardo Apilánez kuratiert und richtet den Blick auf eine Filmkultur, die sich durch formale Experimentierfreude, starke Autorinnen und Autoren sowie eine besondere Nähe zwischen Dokumentarfilm, Fiktion und experimentellen Formen auszeichnet. Die Realisierung dieses Projekts wurde dank der Unterstützung von Acción Cultural Española (AC/E) und des Beitrags der spanischen Botschaft in Italien ermöglicht.

Seit vier Jahren widmet das BFFB besondere Aufmerksamkeit Regionen, deren komplexe Identität in gewisser Weise mit der Geschichte und kulturellen Realität Südtirols in Resonanz steht. Im Mittelpunkt stehen dabei häufig Grenzräume oder kulturelle Landschaften mit vielschichtigen Identitäten, mehrsprachigen Gesellschaften und historischen Spannungen. Katalonien verkörpert viele dieser Aspekte. Die Region besitzt eine starke kulturelle und sprachliche Identität, eine von Millionen Menschen gesprochene Sprache, eine lebendige wirtschaftliche Struktur und eine äußerst produktive Kulturszene, die international große Sichtbarkeit erlangt hat.

Dem katalanischen Kino Raum zu geben bedeutet daher auch, sich mit einer der aktivsten Filmregionen Europas auseinanderzusetzen, sowohl in Bezug auf Produktionsdynamik als auch auf internationale Kooperationsstrategien. Ein besonderer Schwerpunkt der Sektion liegt auf der hybriden dokumentarischen Filmproduktion, die in den letzten Jahren stark gewachsen ist und auch durch die Ausbildungsarbeit zahlreicher Institutionen und Filmschulen in Katalonien gefördert wurde. Viele der ausgewählten Werke bewegen sich bewusst zwischen Dokumentarfilm, Fiktion und experimenteller Praxis und erweitern damit die Möglichkeiten filmischer Erzählformen.“ betont VIncenzo Bugno, künstlerischer Leiter des Bolzano Film Festival Bozen.

Das Programm präsentiert sieben Filme, die dieses Universum besonders eindrucksvoll repräsentieren. Dazu zählen Werke von Andrés Duque, Virginia García del Pino, José Luis Guerin und Neus Ballús, die unterschiedliche Perspektiven auf dokumentarisches Erzählen eröffnen. In Carelia: Internacional con Monumento begibt sich Andrés Duque an die finnisch-russische Grenze und erkundet eine Landschaft, in der schamanische Traditionen, Folklore und die traumatischen Spuren der stalinistischen Säuberungen aufeinandertreffen. Virginia García del Pino La estafa del amor verbindet Lesung, Gespräch und filmische Reflexion zu einer vielschichtigen Untersuchung über romantische Liebe, Täuschung und die Rolle des Kinos bei der Konstruktion von Begehren und Emotionen. José Luis Guerins Historias del Buen Valle führt an den Rand Barcelonas in den Stadtteil Vallbona, wo sich zwischen Gärten, Eisenbahnlinien und Autobahnen ein poetisches Panorama des Alltags und ein leiser Widerstand gegen urbane und soziale Veränderungen entfaltet. Mit I tuttofare (Sis dies corrents) begleitet Neus Ballús drei Klempner bei ihren täglichen Einsätzen in Barcelona und zeichnet mit dokumentarischer Präzision und Humor ein sensibles Porträt von Arbeit, Migration und Zusammenleben in der Stadt. Ebenfalls im Programm ist Albert Serras Film Pomeriggi di Solitudine (Tardes de soledad), ein eindringliches Porträt des Star-Toreros Andrés Roca Rey, das die umstrittene Tradition des Stierkampfs in einer zugleich faszinierenden und verstörenden Bildsprache beobachtet. Anlässlich der Vorführung von Pomeriggi di solitudine wird zudem Montse Triola in Bozen anwesend sein, Produzentin des Films und Ko-Produzentin von Magalhães.

Auch Carla Simón ist mit ihrem neuen Film Romería vertreten, der zugleich im Wettbewerb des Festivals gezeigt wird und damit die kreative Stärke der katalanischen Filmproduktion unterstreicht. Die international ausgezeichnete Regisseurin ist bekannt für ein sensibles Kino, das intime Familiengeschichten und Fragen von Erinnerung und Herkunft miteinander verbindet. In Romería steht die 18-jährige Marina im Mittelpunkt, die nach Galicien reist, um die Unterschrift ihrer Großeltern für ein Stipendium zu erhalten. Im Kreis einer ihr weitgehend unbekannten Familie treten alte Spannungen, verborgene Erinnerungen und ungelöste Fragen über ihre verstorbenen Eltern zutage, während sie beginnt, die fragmentarischen Geschichten ihrer Herkunft zusammenzufügen. Der Hauptdarsteller Mitch Martín wird beim Festival zu Gast sein und an der Veranstaltung teilnehmen. 

Im Lauf der Zeit sind zunehmend Filme enstanden, auch außerhalb Europas, die u.a. dank des Engagements katalanischer Institutionen hervorgegangen sind: als wunderbares Beispiel dafür zeigen wir Magalhães des philippinischen Regisseurs Lav Diaz, der die Geschichte der Expedition Ferdinand Magellans als episches und kritisches Porträt kolonialer Eroberung erzählt.

Zu den Gästen des Festivals gehört außerdem Marta Andreu, Produzentin, Kuratorin und Dozentin sowie eine der prägenden Stimmen des zeitgenössischen katalanischen Dokumentarfilms. Im Rahmen des Fokus präsentiert sieam ersten Sonntagnachmittag im Club 3 die Performance Lovesong, a non-existent film in progress. Ausgangspunkt ist der Versuch eines filmischen Porträts der katalanischen Dichterin Lala Blay, das Andreu vor zwanzig Jahren begonnen und unvollendet gelassen hat. Während Fragmente der damaligen Aufnahmen erscheinen, liest sie einen persönlichen Text und entwickelt einen essayistischen Monolog über Erinnerung, Verlust und die Beziehung zu Bildern. Auch Lala Blay wird bei der Veranstaltung in Bozen anwesend sein. Der Eintritt ist frei.

Um tiefer in die Welt des kaltalanischen Kinos einzutauchen, lädt das Festival am 13. April 2026 um 17 Uhr ins Waaghaus zum Talk Focus Catalonia Il fascino del contemporaneo. Linguaggi, confini e la sfida del reale, moderiert vonVincenzo Bugno und Isona Admetlla Font, ein. Zu Gast sind der Regisseur Andrés Duque, dessen Film Carelia Internacional con Monumento im Programm zu sehen ist, die Produzentin Alba Lombardía für Historias del Buen Valle von José Luis Guerin sowie die Produzentin und Dozentin Marta Andreu.

Gäste der Sektion Focus, die beim Festival 2026 anwesend sein werden:
Marta Andreu, Produzentin und Dozentin
Lala Blay, Dichterin
Andrés Duque, Regisseur von Carelia Internacional con Monumento
Isona Admetlla Font
Alba Lombardía, Produzentin von Historias del Buen Valle von José Luis Guerin
Mitch Martín, Hauptdarsteller in Romería von Carla Simón 
Montse Triola, Produzentin von Pomeriggi di solitudine und Ko-Produzentin von Magalhães.

See more Less