10.–19.04.2026

Die Gewinnerfilme der 39. Ausgabe

Die INTERNATIONALE JURY des 39. BOLZANO FILM FESTIVAL BOZEN, bestehend aus Andrea Bernard, Susanne Burg, Roberto Farneti, Anna Ladinig und Frédéric Maire, vergibt folgende Preise:
 

PREIS DES LANDES SÜDTIROL FÜR DEN BESTEN FILM des Wettbewerbs BFFB39 | 5.000 Euro

THE LONELIEST MAN IN TOWNvon Tizza Covi und Rainer Frimmel (AUT 2026)

Begründung: Der Preis der Autonomen Provinz Bozen für den besten Film geht an ein Werk, das den Menschen zutiefst empathisch betrachtet und seine Vielschichtigkeit herausarbeitet, ohne in Sentimentalität zu verfallen. Mit fein gekörnten Bildern und einem Blick von besonderer Zartheit auf die Hauptfigur zeichnet der Film ein lebendiges Porträt von universeller Bedeutung. Im ständigen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart macht das Werk deutlich, wie die Spuren der Erinnerung mit sanfter Kraft auf die Brutalität des Jetzt wirken. Mit einem zurückhaltenden und zugleich kraftvollen Stil erschafft der Film eine Welt voller Details, die zur Charakterisierung der Figur beitragen. Aufgrund seiner konsequenten künstlerischen Haltung, dem Respekt, den er seinen Protagonisten entgegenbringt, und der Fähigkeit, das Große im Kleinen zu erzählen, entwickelt der Film einen großen Widerhall und überzeugt mit beeindruckender Sensibilität.

 

SPEZIALPREIS DER JURY STIFTUNG SÜDTIROLER SPARKASSE BOZEN FÜR DIE BESTE KÜNSTLERISCHE LEISTUNG aus den Filmen des Wettbewerbs BFFB39 | 3.000 Euro

SEHNSUCHT IN SANNGERHAUSEN von Julian Radlmaier (DEU 2025)

Begründung: Der Spezialpreis der Jury Stiftung Südtiroler Sparkasse Bozen geht an einen Film, der zutiefst politisch ist und zugleich mit großer Leichtigkeit erzählt. In der ostdeutschen Kleinstadt verdichtet er Gegenwart und romantische Motive zu einem Nebeneinander, in dem historische Figuren und Ideen als fortwirkende Denk- und Gefühlsräume präsent bleiben. Seine Genauigkeit zeigt sich in knapp gesetzten Dialogen und beiläufigen Situationen. Dabei wird sichtbar, wie stark soziale Herkunft und Geschlecht die Handlungsspielräume der Figuren bestimmen – nicht als These, sondern eingeschrieben in ihr Verhalten, ihre Möglichkeiten und ihre Blicke aufeinander. Zugleich zeigt der Film eine deutliche Freude am Kino - in seinen Zitaten, seiner Bildgestaltung und im bewussten Bezug auf filmische Traditionen.

 

VERLEIHFÖRDERPREIS DER AUTONOMEN REGION TRENTINO-SÜDTIROL an einen Film des Wettbewerbs BFFB39 oder der Sektion RealeNonReale | 10.000 Euro 

17 von Kosara Mitic (MKD/SRB/SVN 2025)

Begründung: Der Preis der Autonomen Region Trentino-Südtirol zur Förderung des Verleihs geht an ein eindringliches Spielfilmdebüt einer jungen Regisseurin. Ein kraftvoller und intensiver Film, der dem Zuschauer keine Möglichkeit lässt, den Blick abzuwenden. Vor dem Hintergrund eines nationalistischen und patriarchalen Gesellschaft zeichnet er ein präzises Porträt einer Welt, in der Männer von einem tief verwurzelten Gefühl der Privilegiertheit geprägt sind und in der Gewalt auch gegen Frauen zum Alltag gehört. Der Blick der Regisseurin ist auf das Gesicht der Protagonistin gerichtet: Ihre Darstellung trägt den Film mit einer rohen und beständigen emotionalen Intensität. Wir zeichnen dieses Werk für seine formale Präzision und seine dringliche politische Relevanz aus. Es ist ein Film, der gesehen werden muss, insbesondere von einem jungen Publikum in ganz Europa, da er Realitäten thematisiert, die zwar ortsspezifisch, aber dennoch äußerst vertraut sind.

Die Internationale Jury spricht außerdem folgende LOBENDE ERWÄHNUNG aus. 

DRY LEAF von Alexandre Koberidze (DEU 2025)

Begründung: Die Special Mention geht an einen ästhetisch gewagten Film, der einem im Gedächtnis bleibt – unaufgeregt und eindringlich. Durch die – auf den ersten Blick – einfachen Bilder von Fußball, Toren und Straßen wird er zu einer poetischen Reflexion über Gemeinschaft und Verbundenheit. Hier ist das Leben eine ewige Reise, und die Straßen und Tore werden zu Archetypen, die definieren, was es bedeutet, Mensch zu sein.


 

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PUBLIKUMSPREIS DER STADT BOZEN an den Film des Wettbewerbs BFFB39 oder der Sektion RealeNonReale, für den die meisten Stimmen des Publikums abgegeben wurden | 2.000 Euro

ELON MUSK UNVEILED - THE TESLA EXPERIMENT von Andreas Pichler (DEU 2025)


 

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Die FILMCLUB JURY, bestehend aus Chiara Del Favero, Carmelo Ferreri, Josephine Kauschke, Stefano Riba, Jonas Reisigl, Cecilia Stefanelli und Jana Weissteiner, vergibt die folgenden Preise:

IDM FILM & MUSIC COMMISSION SÜDTIROL AWARD FÜR DEN BESTEN LANGFILM AUS DEM RAUM EUREGIO | 2.000 Euro und Urkunde

NON C’È CASA IN PARADISO von Federico Scienza und Mauela Boezio (ITA 2026)

Begründung: Den Lebensraum beobachten, in dem man zu Hause ist. Seine Widersprüche erkennen. Sich Fragen stellen und diese im Publikum wecken. Dieser Film ist ein echter Local Hero und für uns gleichzeitig ein dringliches und notwendiges Werk. Er rückt die vulnerabelsten Mitglieder unserer Gesellschaft in den Fokus - unprätentiös, ehrlich und einfühlsam, ohne viel Pathos oder Schnick Schnack. Er begleitet jene Menschen, die für das Funktionieren unserer Wirtschaft und unseres Alltags unerlässlich sind – jene, die dazu beitragen, dass dieses Land als „Paradies“ bezeichnet werden kann. Doch das Paradies ist nicht immer paradiesisch - oder zumindest nicht für alle. Der Film ist roh, genau wie die Realitäten, die er zeigt, wie die Geschichten, die oft unsichtbar bleiben. Er verleiht ihnen Würde und fordert uns auf hinzuschauen – und vielleicht sogar zu handeln.

 

IDM FILM & MUSIC COMMISSION SÜDTIROL AWARD FÜR DEN BESTEN KURZFILM AUS DEM RAUM EUREGIO | 1.000 Euro

FAR FINTA CHE von Anna Ciju (ITA 2025)

Begründung: Ein Film, der das Spiel ernst nimmt, und darin eine eigene Form des Kinos entdeckt. Mit großer Souveränität öffnet sich ein Raum, in dem scheinbar einfache Mittel zu überraschender Vielfalt führen: improvisierte Genres, verschobene Maßstäbe, eine Lust am Erfinden, die sich nicht an der Logik des Realismus orientiert, sondern an der des Spiels. Dabei entsteht eine humorvolle wie zutiefst ehrliche Reflexion über das Filmemachen selbst. Der Film beobachtet, wo Geschichten zu allererst entstehen, wie Rollen angenommen werden, und Bilder Bedeutung bekommen. Ein eigenwilliges, kluges und sehr lebendiges Werk, das uns daran erinnert, dass Kino auch, oder vielleicht gerade dort beginnt, wo Regeln erst erfunden werden. Wir können es kaum erwarten, einen nächsten dieser Art zu sehen.

 

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SPEZIALPREIS "DOLOMITEN UNESCO WELTERBE" an den Film, der die Werte der Stiftung Dolomiti UNESCO am besten repräsentiert | 1.000 Euro

Die Jury, bestehend aus Leo Hilpold (Direktor Landesamt für Natur), Volkmar Mair (Landesgeologe), Thomas Streifeneder (Wissenschaftlicher Beirat der Stiftung Dolomiten UNESCO) und Dorothea Vieider (vormalige Präsidentin des Filmclub Bozen) hat nach eingehender Diskussion den Preis an den Film Melt (2025) von Nikolaus Geyrhalter vergeben.

MELTvon Nikolaus Geyrhalter (AUT 2025)

Begründung: Der Dokumentarfilm MELT entführt die Zuschauer in eine scheinbar unendliche weiße Welt aus Schnee und Eis. In ruhigen, weitläufigen Einstellungen lässt der Filmemacher zunächst Landschaften aus verschiedenen Teilen der Erde auf den Betrachter wirken und richtet im nächsten Schritt den Blick auf jene Menschen, die tagtäglich mit Schnee, Kälte und Eis leben und arbeiten - ja ihr Brot damit verdienen. 

MELT beleuchtet mittels eindrücklicher Bilder und Interviews den Umgang mit Schnee aus sehr unterschiedlichen Perspektiven: bäuerliche Traditionen und Jahrtausende alte Überlebensstrategien mit einem tiefen emotionalen Bezug zum Schnee; Touristen, die sich im Schnee vergnügen, die Landschaft genießen und ihn als Wunderwelt erleben – oftmals ohne sie als extra für sie hergerichtetes Disneyland zu erkennen; der ressourcenintensive, künstlich aufrechterhaltene Wintertourismus steht dabei im extremen Kontrast zu den Erkenntnissen der Klimaforscher in der Antarktis!

Allen Orten und Menschen ist gemeinsam, dass die weiße Fassade zu bröckeln beginnt. Überall berichten die Protagonisten von spürbaren Folgen des Klimawandels im Alltag. Wetterextreme nehmen zu. Es schneit anders als früher: Intensität, Dauer und Verlässlichkeit haben sich verändert. Und Gletscher schmelzen. Der Film MELT zeigt, dass davon kein Ort und kein Mensch ausgenommen ist!

Am Ende wird deutlich: Unser Planet ist das eigentliche Welterbe. Natur und Landschaften wie die Dolomiten sind keine isolierte Kulisse, sondern Teil eines globalen Welterbes, für dessen Erhalt wir gemeinsam Verantwortung tragen.


 

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PREIS DER EUREGIO YOUNG JURY FÜR DEN BESTEN FILM | 1.000 Euro
Der von der Schüler:innenjury, bestehend aus Leni Innerbichler, Paula Jähnig, Sarah Wagner, Alice Angeli, Camila Gadler, Tobia Mazzonelli, Alessandro Comina, Jonas Gluderer und Arthur Unterpertinger Cariolato verliehene Preis geht an:

ROMERÍAvon Carla Simón (ESP/DEU 2025)

Begründung: Eine Wallfahrt zu sich selbst. Mit viel Feingefühl arbeitet der Film, den wir als EuregioYoungJury 2026 prämieren dürfen, Thematiken wie Identität, Familie, Drogensucht und die Stigmatisierung von AIDS auf. Ein Mosaik aus Erinnerungen. Mit einer Handkamera bewaffnet schlägt sich die Hauptdarstellerin bis zu ihren Wurzeln durch. Die subjektive Kamera macht ihre Erfahrung viel authentischer. Man taucht ein. Der stilistische Rahmen unterstreicht ihre Reise zu sich selbst.

 

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PREIS DER ZELIG FILMSCHULE BOZEN für Langfilme mit dokumentarischen Elementen aus den Sektionen Wettbewerb BFFB29, RealeNonReale, BFFB Special, Focus e Kleinsprachen DOC | 1.000 Euro

Der von der Studierendenjury der ZeLIG Filmschule Bozen, bestehend aus Valeria Buffa, Luca Firmian, Zoé Maelle Bromma, Alma Günther, Sebastiano Scapinello, Vita La Maida und Meriam Jarboua verliehene Preis geht an:

THE LONELIEST MAN IN TOWN von Tizza Covi und Rainer Frimmel (AUT 2026)

Begründung: Wir haben uns für einen Film entschieden, aufgrund seiner makellosen, eleganten und stilvollen Bildsprache, die Fiktion und Dokumentation auf sehr natürliche Weise miteinander verbindet. Er ist ein politisches Zeugnis der komplexen Dynamiken unserer heutigen Zeit. Er erzählt liebevoll die Geschichte einer verschwindenden Welt, eindrucksvoll dargestellt durch den Protagonisten und die Komposition der Bilder. Wir schätzen seine Fähigkeit, einen strengen formalen Ansatz mit Einblicken in menschliche Momente wie Melancholie, Nostalgie und die ironische Absurdität des Lebens zu verbinden.

Die einzigartige Perspektive auf ein universelles Thema wie die urbane Einsamkeit, hat uns dazu bewogen,THE LONELIEST MAN IN TOWN zum Gewinner zu küren.

 

Es war keine leichte Entscheidung, denn es gab einen weiteren Film, den die Jury schätzte. Wegen seiner Risikobereitschaft, um eine emotionale und sinnliche Erzählung zu erreichen, haben beschlossen, TRISTAN FOREVER von Tobias Nölle und Loran Bonnardot (CHE 2026) eine lobende Erwähnung zu verleihen.

 

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EHRENPREIS FÜR EINE HERAUSRAGENDE FILMKARRIERE 2026

In Zusammenarbeit mit dem Verkehrsamt der Stadt Bozen wurden die beiden Preise während des Festivals an Ottavia Piccolo und Ulrike Ottinger verliehen.

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