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Seit 2016 rückt das Festival in der Reihe „Focus Europe“ das filmische Schaffen eines europäischen Landes in den Mittelpunkt. Zur 35. Ausgabe vom 5. – 10. April werden es zwei Länder sein: Kosovo und Albanien. Beide Balkanländer, in denen mehrheitlich albanisch gesprochen wird, haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Eine neue Generation an Filmschaffenden versucht sich in Aufarbeitung, die Filme spiegeln Auswanderung, Kriegstraumata und patriarchale Gesellschaftsstrukturen wider.

 

Der Co-Autor des kosovarischen Kurzfilms KLITHMA und Dekan der Fakultät für Kunst der Universität Pristina, Hazir Haziri, meint dazu: „Die neue Generation der Filmemacherinnen und Filmemacher kann als goldene Generation bezeichnet werden. Trotz des geringen Budgets für kosovarische Filme gelingt es uns, echte Kunstwerke zu schaffen und sie überall auf den renommiertesten Festivals zu zeigen. Unsere Filme behandeln heikle Themen. Der Krieg in Kosovo von 1999 hat Wunden in der Gesellschaft hinterlassen, die noch nicht geheilt sind“. Hazir Haziri ist Gast am Filmfestival im April und wird die Filmreihe aus dem Kosovo und Albanien begleiten. „Focus Europe“ will ein verbindendes Element sein und die Gelegenheit zum Austausch mit der kosovarischen und albanischen Gemeinschaft in Südtirol bieten.

 

Vier Langspielfilme und vier Kurzfilme werden in der Filmreihe „Focus Europe: Kosovo/ Albania“ gezeigt. Viele der Filme sind an eigene Erfahrungen der Regisseurinnen und Regisseure angelehnt oder beruhen auf wahren Begebenheiten.

Das Spielfilmdebüt ZGJOI (HIVE) von Blerta Basholli, 3-fach prämierter Film am Sundance Festival 2021 und Kosovos Einreichung für den Oscar für den besten ausländischen Film, erzählt die Geschichte von Fahrijes, deren Ehemann nach dem Krieg 1999 vermisst wird. Als sie mit anderen Frauen versucht eine eigene Existenz aufzubauen, stößt sie gegen die patriarchalen Strukturen der Dorfgemeinschaft.

 

 

 

In DERë E HAPUR (OPEN DOOR), einem albanischen Filmdrama aus dem Jahr 2019 von Florenc Papas, sind es ebenfalls patriarchale Gesellschaftsstrukturen, gegen die die beiden Protagonistinnen anzukämpfen haben. Das Roadmovie zwischen Italien und Albanien erzählt von Emigration, einer ungeplanten Schwangerschaft und dem Bruch zwischen Tradition und Moderne. Bei BABAI (FATHER), dem eindringlichen Filmdebüt von Visar Morina aus dem Jahr 2015, dreht sich alles um eine Fluchtgeschichte aus dem Kosovo nach Deutschland. Ein Vater, der der tristen und lieblosen Großfamilie im Kosovo entfliehen will und Nori, seinen 10-jährigen Sohn, allein zurücklässt. Nori, der sich dann alleine auf eine gefährliche Reise nach Deutschland begibt, voller Wut und Unverständnis seinem Vater gegenüber.

Passend dazu hat das Filmfestival Bozen eine Produktion der Filmschule Zelig aus dem Jahr 2019 ausgewählt: In NEVERLAND dokumentiert der Zeligabsolvent Erald Dika die Geschichten einer Gruppe von Freunden rund um die turbulenten Jahre 1997 in Albanien. Neue dokumentarische und Archiv-Aufnahmen werden mit inszenierten Szenen verwoben und zeichnen ein Bild dieser Generation.

Vier aktuelle Kurzfilme ergänzen das Programm und geben Einblick in die heutige Gesellschaft Kosovos: TISA von Valter Lucaj, KOLONA von Ujkan Hysaj, KASETA von Ariel Shaban und KLITHMA von Korab Lecaj.

Die Stadt Bozen übernimmt auch dieses Jahr die Schirmherrschaft über das Festival und unterstützt die Filmreihe Focus Europe: Kosovo / Albanien.