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Antigewalttraining und Männerberatung, was ist das?

Guido Osthoff informiert

Wann kommen die Männer zum Antigewalttraining?

Die meisten kommen, wenn es Auflagen gibt, beispielsweise vom Jugendgericht. Väter müssen nämlich das Training absolvieren, wenn sie Kontakt zu ihren Kindern haben wollen. Häusliche Gewalt gibt es übrigens häufiger in Familien mit Kindern.

Wie läuft das Training ab?

Der Mann meldet sich bei uns an. Dann gibt es in der Regel drei persönliche Gespräche, die sogenannte Clearingphase. Die betroffene Frau wird wenn möglich von den Kolleginnen der Frauenhäuser kontaktiert, die ihr Hilfe anbieten. Mit Hilfe von Fragebögen für den Mann und für die Frau wird das Gewaltverhalten abgeklärt. Frühestens nach drei individuellen Treffen wird der Mann in die Gruppe aufgenommen, wo das Antigewalttraining abläuft. Beim Einstieg in die Gruppe ist es wichtig, mindestens einen Teil der eigenen Verantwortung erkannt zu haben. Männer neigen zunächst gerne dazu, die Gewaltvorwürfe als ungerechtfertigte Beschuldigung abzutun. Die Gruppe ist wichtig, um genau diese Sichtweise zu ändern. Im Training geht es darum, dass die Männer die Verantwortung für ihr gewalttätiges Verhalten übernehmen, erkennen, wie die Dynamiken ablaufen und an Notlösungen für eskalierende Situationen arbeiten. Eine davon kann es sein, den Raum zu verlassen.

Wie lange dauert so ein Training?

Das Training umfasst 28 wöchentliche Treffen und kann bis zu einem Jahr dauern.

Werden sie dezentral angeboten?

Nein, das geht deshalb nicht, weil die Gruppe eine bestimmte Größe haben muss, und weil sich nicht so viele Männer melden.

Sie bieten auch Männerberatung an. Hat das eine mit dem anderen zu tun?

Nein, das Gewalttraining ist eine Sache, Männerberatung eine andere. Diese wird in Meran, Brixen und Bozen angeboten. Männer können kommen, wenn sie etwas zu besprechen haben, mit dem sie selber nicht klarkommen. Die Themen sind vielfältig. Das geht von Lebenskrisen, Vaterrolle über Beziehungsthemen ganz allgemein, aber auch um Konflikte oder Trennungen.

(Renate Mumelter)

Guido Osthoff, Theologe und Sozialpädagoge, seit 2002 Mitarbeiter der Caritas und seit 2014 Fachbereichsleiter und Stellenleiter der Caritas Männerberatung, welche ein opferschutzorientiertes Antigewalttraining für Männer, die im häuslichen Umfeld Gewalt ausüben anbietet; lebt mit seiner Familie in St. Andrä / Brixen.